Tuesday, 20 June 2017

Das Schmuckkästchen



Gestern habe ich das Schmuckkästchen entdeckt, das ich vor langer Zeit von meiner Oma als Geschenk bekommen hab. Wenn ich mich richtig erinnere, war es noch während meiner Schulzeit, wo mir meine Oma das silberne Kästchen schenkte. Dazu schenkte sie mir auch ihr Schmuck, welches sie irgendwann in vergangenen Zeiten als Jugendliche oder später als verheiratete Frau getragen hat. "Heute brauche und trage ich das alles nicht mehr" meinte sie zu mir. Und während ich damals mit großen und strahlenden Augen die schönen Perlen und Ketten anschaute erzählte mir meine Oma die Geschichte zu jedem Schmuckteil, ja damals, als der Opa ihr die eine Kette geschenkt hatte, oder als sie von ihrer Mutter ihre ersten schicken Ohrringe bekam, oder ja, damals beim Treffen mit Opa. Oh ja, damals waren diese Ringe und diese Ketten voll modern....heute nennen wir es gerne Vintage. Und so war auch das kleine silberne Kästchen mit dem Elefanten drauf, Vintage. Ich trug das Kästchen mit mir durchs Leben. mit In der neuen Wohnung in der Heimat, danach in Wien und zuletzt in Frankfurt, wo es da von Wohnung zu Wohnung mit wanderte. Mit der Zeit kam immer mehr Schmuck dazu, es vermischten sich die neuen modernen Ketten mit den alten Perlen, neue mit vergangene Geschichten, bis irgendwann das Kästchen schwer wurde und nichts mehr so richtig zu finden war. So entschloss ich mich an diesen einem Sommersonntag wieder Ordnung in das Schmuckkästchen zu schaffen.

Als ich reinschaute, erwartete mich ein riesiger Knoten aus Ohrringe, Ketten und Ringe. So begann ich langsam alles auszuknoten und erinnerte mich dabei an Omas Geschichten sowie auch an meine Geschichten, meine Erfahrungen und meine Gefühle als ich zB diesen einen schwarzen Ring damals auf dem einen Flohmarkt gekauft habe. Während ich versuchte die Ketten auseinanderzubringen musste ich dabei denken, dass das Leben manchmal genau so wie dieser Schmuck in dem Kästchen ist: verknotet und manchmal nicht so leicht in Ordnung zu bringen. Dass uns oft auf unserem Wege ein Hindernis erwartet, welches wir mühsam und mit viel Geduld überwinden müssen. Wie eine schwere Perlenkette fällt das Schicksal um unser Hals. Wie ein verlassener Ohrring fühlt sich manchmal unser Herz. Doch nach langer Arbeit, Mut und auch Hingabe kommen wir auch letztendlich zu dem glänzenden Ergebnis. Und manchmal ist dieses Leben doch leichter zu leben als man denkt, es schmiegt sich an uns und hat uns lieb wie das perfekte Armband an unsere Hand. 

Nach einer Stunde entknotete ich alle Ketten, sortierte die Armbänder und die verlorene Ohrringe, brachte alle Ringe zusammen. Die Geschichten folgten wieder ihrem chronologischem Lauf und die Erinnerungen hatten wieder mehr Platz zu atmen. Ich schuff nicht nur Ordnung in meinem Schmuckkästchen sondern auch in meinen Gedanken. Ich entknotete die einzelnen Ketten und entknotete dabei mein Herz. 

Das Leben ist eine ständiges Verknüpfen und Aufknüpfen, ein Flechten und Entflechten, ein Binden und ein Aufbinden, ein Zu- und ein Aufmachen....es hängt letztendlich von jedem einzelnen ab welche Kette man heute trägt und welches Schmuckkästchen man wieder in Ordnung bringt.

Der silberne Elefant lächelte mir glücklich zu....und ich lächelte zurück. Danke, Oma.


Thursday, 1 June 2017

1 Iunie

De 27 de ani, pe data de 1 iunie, mama imi spune sau de cand sunt plecata din tara  imi scrie"la multi ani, copilul meu". De 27 de ani ma bucur de fiecare data de acest mesaj si ziua de 1 iunie o sarbatoresc in sufletul meu asa cum imi sarbatoresc ziua de nastere. Nu am foarte multe amintiri legate explicit de aceasta zi din an. Insa tin minte cum imi impletea mama codite, cum ma imbraca in haine colorate, cum primeam multe baloane sau cum mergeam cu tata prin oras sa mancam ceva bun. Tin minte rasetele copiilor de prin tot orasul, bucuria din sufletele parintilor, serbarile de la gradinita si gumele "Turbo" de mestecat de la chioscul din colt. Tin minte cum de 1 iunie imi puneam cirese dupa ureche, purtand ciresele pe post de cercei. De 1 iunie "Parcul Copiilor" se umplea de vietati zglobii, cu obrajii imbujorati, zambete pana la urechi, vata pe bat si bomboane de caramel. Tin minte, ma dadeam si eu pe tobogan sau in hutulus. Si mai tin minte ca radeam....radeam de dimineata pana seara. 

De 27 de ani, mama imi spune "la multi ani, copilul meu" si de fiecare data ma bucur nespus de mult sa redescopar copilul din minte, copilul care cateodata este uitat si neglijat, copilul care este lasat undeva la colt sa planga sau copilul care a uitat sa rada....de dimineata pana seara.

Astazi suna ceasul la ora 5:40 si ma pregatesc pentru o tura de 13 ore de lucru, cu multi oameni in varsta, cu oameni care candva au fost si ei "copilul mamei". Si tot astazi am primit dimineata la ora 6 und mesaj "La multi ani, copilul meu.....sa stii ca s-au copt ciresele....."

Sunday, 19 March 2017

Island Blues und ein Burgerladen




3:30 früh am Morgen. Der Taxi Fahrer lässt mich vor dem Burger Laden aussteigen. Als hätte er genau gewusst. Auch gut so. Paar Schritte wollte ich eh noch an der frischen Luft alleine laufen. Zügig mache ich mich auf dem Weg, denn alles was ich wollte, war mich in mein Bett fallen lassen und ausschlafen, ausschlafen bis die eigene Müdigkeit selbst ausgeschlafen hat. Doch nach wenigen Schritten bleibe ich plötzlich stehen, drehe mich und überlege doch noch was kleines zu essen. Die letzte richtige Mahlzeit war eigentlich das Frühstück am Tag davor und das waren auch nur zwei, in Eile, aufgegessene Sesambrezel. Und was war noch so offen in der Nähe? Tja, dieser eine Burgerladen. Burgers um mittlerweile 03:45 Uhr morgens? Ah wieso nicht. Es schien da ziemlich viel los zu sein, als wäre es erst spät am Tag. Die Bedienung war auch fleißig am arbeiten, das Fleisch in der Pfanne zu drehen, die Salate vorzubereiten, die Pommes nochmals knuspriger anzubraten. Ich entscheide mich ziemlich schnell, ein Chickenburger mit Käse. Damit kann ich bestimmt nichts falsch machen, denk ich. Während ich auf mein Essen warte, das ich eigentlich auch mitnehmen wollte um es zu Hause wie ein Ferkelchen aufzuschlingen, setze ich mich auf einen Barhocker da und beobachte den ganzen kleinen Burgerladen. All die Menschen, die reinkommen und bestellen, betrunkene Menschen, nüchterne Menschen, müde Menschen. Alleine, Paare, kleine Grüppchen. Laut und leise. Double cheese, Rindfleisch, Falaffel, nochmals chicken burger, und eine Cola noch. Alles mögliche an Bestellungen. Der eine Mann hinter der Theke, der die ganzen Bestellungen nahm, sah ziemlich müde und verschlafen aus. Er sei auch erst aufgewacht, denn seine Arbeitsschicht ging ja erst vor kurzem los. Ich beobachtete mit meinen müden, verschlafenen Augen die Leute, die da arbeiteten und versuchte rauszufinden, wo alle herkamen. Es schien als kannten sich alle schon vorher. Ich tippe auf Indien, bin mir da aber nicht sicher. Würde gerne fragen, denn Menschen aus anderen Herkunfstländern und andere Kulturen sind immer Menschen mit einer Geschichte. Und eine Geschichte hätte ich jetzt gerne gehört. Ein lautes "Chickenburger mit Käse" bringt mich aus meiner Trance raus, denn damit wurde ja ich gemeint. Ich packte den Burger und als ich rausgehen wollte, da kam dieses Lied. Dieses eine Lied, "Koop Island Blues" von Koop, eine Einladung zum Traum. Dieses Lied erinnert mich an das Meer, an einer Hotelbar in der Nacht, an Reisen, an Mojito Cocktails, an Möwen die laut am Morgen singen und an Unbeschwertheit.  Dabei befand ich mich in einem kleinen und nach angebranntem Öl riechenden Burgerladen, mit einer Vielfalt an unterschiedlichen Menschen, eine wohl höchst absurde und witzige Situation. So verblieb ich in dieser Absurdität, setzte mich wieder auf den Barhocker, teilte der Bedienung mit, dass sei mein Lieblingslied und begann an meinem Burger zu mampfen und innerlich an Meer, Möwen, Schiffe, Erinnerungen und Wellen zu träumen. Jazz-ige Töne mit Hintergrundakustik wie "pommes fertig", "wollen sie auch was trinken?", "5 Euro bitte", "Ja, mit viel Mayo".
Das Lied und damit mein Traum neigten sich dem Ende. Ich aß mein Burger auf, bedankte mich für das Essen und die gute Musik, fragte noch ob sie die ganze Nacht aufhätten und torkelte danach so langsam, aber glücklich nach Hause, wo ich ins Island Blues fiel und schlief....schlief bis die Möwen am nächsten Morgen wieder sangen...

Saturday, 11 March 2017

Mein Herz öffnete sich


Als ich schon das erste Mal in Hamburg war, wusste ich, hier bin ich richtig. Damals war es ein wunderschönes, sonniges Wochenende. Mein Herz öffnete sich....

Als ich das zweite Mal in Hamburg war, hatte ich erneut dieses schöne Gefühl, ich sei zu Hause. Dieses mal war es ein weniger sonnigeres Wochenende, doch die Sonne strahlte in mir. Mein Herz öffnete sich...

Ich weiß nicht ob es das Wasser ist, das ich generell so sehr liebe, oder der volle Hafen, der dich mit seinen Schiffen auf einer weiten Reise einladen will....in Hamburg verspüre ich Freude und gleichzeitig Melancholie. Es ist eher die Sehnsucht nach der Ferne, der Wunsch mich an einer Möwe festzuhalten und weit weg fliegen, der Gedanke, eine neue Reise zu beginnen. Mir wurde dann bewusst, dass in mir doch noch Kraft und Energie steckt, dass in mir doch noch irgendwo ein Feuer brennt. Mein Herz öffnete sich....

Wie ich so am Hafen saß und wie jeder Tourist und auch Nicht-Tourist ein Fischbrötchen aß, kamen mir tausend Fragen durch den Kopf, wie "bin ich glücklich? bist du es? sind es all die Menschen hier? Wieso wollen wir ständig irgendwo flüchten?" Ich hatte plötzlich Tränen in den Augen und nein, ich war nicht unglücklich, ganz im Gegenteil. Mein Herz öffnete sich....

Ich glaube ich habe mir noch viele Fragen gestellt, wie ich so aufs Wasser blickte und an meiner Fischfrikadelle kaute.... Manchmal flimmert unser Herz und vermisst es, aus dem langen Winterschlaf aufgeweckt zu werden. Manchmal schreit unsere Seele nach der Ferne. Manchmal will unser Körper die alte Hautschicht, die alte Ich-Schicht loswerden, wie eine Raupe, die endlich aus ihrem Kokon rauskommt. Manchmal möchte das Gehirn, oh diese ewige Kopfbatterie, abschalten, abkühlen und dann neue Gedanken aufnehmen, Platz für neue Träume, Platz für neue Ideen schaffen. 

Und manchmal, ja manchmal will man nur auf den breiten Hafen blicken und die nächste Fähre Richtung Welt nehmen. Mein Herz öffnete sich...

Sunday, 1 January 2017

Zwischen den Jahren


Es ist frostig draußen. Die Sonnenstrahlen lassen dich glauben, dass es heute ein schöner, warmer Wintertag ist. Schön ist er, doch warm auf keinen Fall. Ich warte auf dem Bahngleis, dass endlich mein Zug kommt und mich Richtung warmes zu Hause bringt. Endlich mal paar Tage frei. Endlich wieder aufschnaufen, endlich wieder ausschlafen, endlich keinen Wecker stellen und endlich mal liegen bleiben. Und da kommt er, der Zug, steige ein und setze mich ans Fenster. Die Sonne blendet mein Gesicht, sodass ich die Augen zu halten muss. Es fühlt sich aber gut an. Am liebsten würde ich jetzt doch weiter fahren. Fernweh packt mich manchmal so unerwartet. Es ist als würde sich mein Herz nach was Neuem und noch Unentdecktes sehnen. Als hungere es manchmal hier in dieser Stadt. Ich horche dem Rattern der Bahn, lasse die Strahlen auf mein Gesicht fallen und mir wird plötzlich bewusst, dass bald ein neues Jahr beginnt. Das alte Jahr kommt müde zu Ende und ich.....ich denke an 2016. Ah du schreckliches, schönes, trauriges, wunderbares Jahr. Was du nur alles mit mir angestellt und umgestellt hast. Wie du mich in tausend Scherben gebrochen hast und mich danach wieder zusammen genäht hast. Was du mir so alles beigebracht hast und all deine Ohrfeigen, die ich ertragen musste. Und gleichzeitig hast du mich in deine Arme genommen, mir sanft durch die Haare gestreichelt und wie ein kleines Kind fest gehalten bis ich einschlief. Ah du 2016, ich erinnere mich noch an deinem Beginn, an deiner großen Nacht, meinen ersten Knaller damals, den ich in die Luft geschossen hab samt meiner Wünsche, Ziele, Hoffnungen und Träume. Du gabst mir die Chance die Sterne in der Sahara zu sehen. Danke! Du hast mir beigebracht geduldig zu sein. Danke! Du hast mich aus meinen Fehlern lernen lassen. Danke! Du hast mir den Rücken zugedreht, wenn ich dich am meisten gebraucht habe. Auch dafür danke ich dir.  Du hast mir gezeigt, wie es ist, sich selbst lieb zu haben. Auch wenn du dir dafür dein ganzes Jahr Zeit genommen hast. Danke!

Ich sitze in diesem Zug, der Zug zwischen den Jahren, und lass mich treiben. Ich blicke zurück, doch zurück bleiben nur die Erinnerungen, immer weiter weg, die sich selbst einpacken und sich selbst irgendwo ganz hinten hochstapeln. Der Zug hält langsam an, ich mache die Augen auf, steige aus und atme einmal tief ein, atme dich auf, neues Jahr 2017, lass dich sanft meine Haarsträhnen aus dem Gesicht streicheln. Keine Vorsätze, wie "ab 2017 wird alles anders". Nichts davon. Und das stört mich alles nicht. Ich trete auf und du tretest mit mir. Auf ein neues, auf ein neues Ich und ein neues Du...