Sunday, 9 January 2011

Der Regen

Die Regentropfen sind wie eine Perlenkette, die an den Ästen der kahlen Bäume hängt. Ich schaue durchs Fenster hinaus und versuche den Morgen durch die Wasserbläschen zu entdecken. Obwohl ich erst aufgewacht bin, habe ich den Eindruck, dass der Tag sich dem Ende nähert, dass ich wieder das Licht ausschalten muss um mich dann unter die warme Decke zu verkriechen. Doch nein, der Tag hat erst begonnen. Ein regnerischer Morgen mit grauen Tönen, mit hunderten von kleinen Regentropfen, die in der Luft tanzen. Ich könnte den ganzen Tag im Bett verbringen und einfach vor mich hindösen... dem Regen lauschen, wie er ganz taktvoll auf meinem Fensterbrett eine Art Symphonie komponiert. Ich habe mir einen Kaffee gekocht. Im ganzen Zimmer schwebt jetzt der Kaffeeduft mit einer schüchternen Zimtnote. Ich finde, dass Kaffee ganz gut zum Regen passt. Eigentlich sind sie sich sehr ähnlich. Die Regentropfen tröpfeln vom Himmel her Richtung Erde. Auf ihren Weg zu uns nehmen sie den Morgenduft, den Wind, die Stille auf. Das Leitungswasser tröpfelt aus der Filtermaschine, indem es das Aroma und den Duft des Kaffeepulvers aufnimmt. Im Falle des Regens sind wir, du und ich, das Filterpapier. Die Regentropfen gleiten langsam an unseren Regenschirmen herunter, erreichen in einigen Fällen auch unser Haar, unsere Hände, unser Gesicht. Du trinkst einen Schluck Kaffee und glaubst wach zu werden. Ein Regentropfen küsst deine Oberlippe und du glaubst verliebt zu sein. Beide sind vergänglich....Ich trinke meinen letzten Schluck Kaffee und blicke wieder durch das Fenster. Der Regen ist ein Dieb.... Ich schaue mir genauer die Perlenkette an, die vor meinem Fenster an den dicken Baumästen hängt. Da sehe ich, dass wir ein Teil des Regens sind....flüchtig....Sobald er unseren Körper erreicht hat, wurde uns tief aus dem Inneren etwas herausgeholt, in einem Regentropfen verpackt und durch die Luft verbreitet, an verschiedene Fenster geklebt, an bunten Regenschirmen festgenagelt, auf fremden Gesichtern hängen geblieben.... Kein Wunder, dass wir zugleich melancholisch und glücklich sind, dass wir weinen und trotzdem dabei schwach lächeln, dass wir schreien und nachher ganz still werden, dass wir lieben und gleichzeitig auch hassen....es hängt nur davon ab welche Regentropfen dich dieses mal erreicht haben....

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