Thursday, 17 July 2014

Das Gespräch



"Kannst du dich erinneren, am Anfang haben wir kaum miteinander geredet."
" Du hast mich eigentlich fast ignoriert."
" Ah, das stimmt doch gar nicht. Ich war nur mit anderen Sachen beschäftigt."
" Ja, mich einfach nicht zu beachten...."


Was Blumen so manchmal untereinander reden...Dabei wollte ich nur mein Buch zu Ende lesen und befand mich plötzlich mitten in diesem Gespräch. Ich lauschte...

"Ich erinnere mich, wie wir uns dann immer besser kennen gelernt haben. Ohne es zu wollen. Aber immer wieder landeten wir an den gleichen Ort und vertieften uns in unendliche Gespräche. Bis paar andere dazustoßten und uns dann in verschiedene Richtungen weg wehten..."


"Ja, ich kann mich noch erinneren, wie ich dich zum ersten Mal zum Tanzen aufgefordert hab. Dabei hatte ich keine Ahnung wie das geht. Eins, zwei, drei, vorne, hinten, ich stolperte über meine eigenen Wurzeln. Aber ich wusste, jetzt oder nie. Sonst wirst du mir von diesem Hummel einfach weg genommen. Und da hatte ich dich...."

"Ja, da hattest du mich. Sehr mutig. Seitdem waren wir auch unzertrennlich. Tagsüber liefen wir immer mit den anderen zusammen, lächelten uns scheu zu, gaben uns mal ab zu eine Umarmung. Und obwohl man immer von uns dachte, dass wir die Sonne brauchen um zu glänzen und um zu wachsen, war es aber die Nacht, die unseren Durst nach Liebe einfach löschte. Nein, eigentlich nicht löschte, sondern uns ernährte. Es war die Nacht mit vollen Sternen am Himmel, die leichte Abendbrise , die Musik der Heuschrecken und das Kerzenlicht der Glühwürmchen..."

"Und unsere unendlichen Gespräche, erinnerst du dich? Über das Leben so in dieser grünen Wildnis, über das...ja, das Überleben, über das Verstehen und über Farben. Ja, über Farben haben wir viel geredet. Über Klänge und Töne, ah und über all die anderen Blumen um uns herum. Über den Regen, der uns wachsen lässt, über den Wind der uns leider bald auseinander wehen wird...."

Plötzlich Stille. Ich versuchte ganz konzentriert in mein Buch reinzuschauen, obwohl ich schon lange aufgehört hab irgend eine Zeile zu lesen. Ich fühlte mich von den sprechenden Blumen beobachtet. Soll ich vielleicht höflich grüßen? Und mich entschuldigen, dass ich dem Gespräch einfach zugehört hab? Oder soll ich schnell mein Buch zuklappen und davon laufen? Oder soll ich weiter so tun als würde ich ganz konzentriert meine Lektüre verinnerlichen? Ich wählte den mutigen Weg. Ich legte das Buch beiseite und schaute sie direkt und tief in die Augen an. Doch die Blumen haben aufgehört zu reden... Unschuldig lagen sie da im Grünen...schön und edel sahen sie aus, angezogen in diesem Gelb....Haben sie wirklich untereinander geredet? Ich schaute sie nur lächelnd an und ich erinnerte mich.....an die Nacht mit vollen Sternen am Himmel....an die Musik....

Die Abenddämmerung traf wie eine alte Königing in ihr Königsreich ein und nahm die Natur um sich in Besitz. Ich packte mein Buch ein, stieg aufs Fahrrad und radelte nach Hause. 

Wann wurdest du letztens von einer Blume angesprochen?


                                                                       

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