Wednesday, 16 July 2014

Wilde Seelen müssen auch mal ruhen



Wenn man mich generell fragen würde wo treibst du dich am liebsten rum, dann würde ich prompt antworten "unter Menschen". Ja, ja, diese komische, mir sehr ähnliche Kreaturen mit zwei Armen und zwei Beinen. Die mag ich!

Würde man fragen wo ich mich jetzt am liebsten rumtreibe, so würde ich etwas nachdenklich antworten "in meinem Zimmer, zwischen meinen eigenen 4 Wänden". Keine Sorge, ich durchlaufe keine depressive Phase. Ganz im Gegenteil, ich bin grad ziemlich ruhig, ja, Ruhe ist das richtige Wort....Hätte ich von meinem chaotischen Selbst nie gedacht....Nun ja, sowas ist anscheinend möglich. Seit 3 Tagen habe ich nicht so richtig meine Wohnung verlassen. Ausnahmen waren in den Sport gehen und einkaufen. Natürlich muss ich mich auch seit 3 Tagen mit den schrecklichen Papeln, Maculae, Nävi, Basaliome und weiss Gott noch alles aus dieser Hautlehre beschäftigen (kein Wunder, das man am Ende noch komplett paranoid wird und denkt die ganze Haut juckt). Aber gut...die Tage sind relativ gleich aufgebaut und eingeteilt. Als wäre ich eine Oma in Rente. Und du glaubst mir vielleicht nicht, aber sogar unter dem eigenen Dach kann man sich in ziemlich absurde Situationen begeben oder komplett neue Sachen machen. Seit 3 Tagen lösche ich meinem Durst mit einem exquisten Getränk: Leitungswasser (ja, ja, du liest es schon richtig) mit einer Scheibe Limette und paar Tropfen Limettensaft, alles serviert in einem Pilsner Urquell Glas, das ich aus Prag mitgebracht hab.  Tja, deliziös! Probiers doch aus wenn du mir nicht glaubst.  Nach dem Mittagessen (was ich mir mittlerweile selber koche) trinke ich eine Tasse frischem Peach&Naranquilla Tee. Wie du siehst lass ich es mir auch schön exotisch gut gehen. Von morgens bis abends läuft auch nur Musik in meinem Zimmer. Die einzigen Stimmen, die ich richtig höre. Konversationen führe ich in meinem eigenen Kopf und plötzlich bemerke ich, wie ich mich auf völlig banale Sachen konzentriere, zB. die Art wie ich mein Geschirr abwasche, der Geschmack der knackig frischen Cherrytomaten vom Aldi, die ich schon seit 5 Jahre immer kaufe, mein kleiner Balkon, die Sonne um 5 Uhr Nachmittags, meine kleine Büchersammlung, der grüne Tee in der Tasse, mein 15 minütiger Mittagsschlaf, meine Stummheit, das Singen auf dem Fahrrad, die Freude um die Wassermelone, die im Kühlschrank wartet. Das Absurdeste von allen ist, dass ich seit 3 Tagen eine italienische Serie beim Essen und in den Lernpausen angucke (für die Neugierigen unter euch, "Benvenuti a Tavola"). Ah, du denkst ich verstehe da was? Ja, eventuell so 30%....(Dank meiner rumänischen Sprache). Und trotzdem schmeiße ich mir diese 45 Minuten italienisch rein, knüpfe selbst die Szenarien zusammen wenn ich nichts verstehe (fast immer), lache mit wenn die Schauspieler lachen und merke dass ich die ganze Zeit mit einem dicken Grinsen im Gesicht diese Sprache genieße und die Dynamik und Energie dieser Kultur in mir reinstürmen lasse. Grande! Grande! Man erkläre mich für komplett verrückt....nun ja, ich stimme volkommen zu.

Ich weiss aber auch, das solche Tage nicht lange anhalten werden. Das ich bald ein Bier anstatt dem Wasser aus meinem Pilsner Urquell Glas trinken werde. Dass ich anstatt kochen, wieder Essen bestellen werde. Das ich mein Zimmer nur Nachts zum schlafen benutzen werde. Das das Kraut auf dem Balkon größer und größer sein wird. Das ich stundenlang am Tanzen oder Arbeiten da draussen sein werde, dass ich mich in spannende und unendliche Gespräche vertiefen werde....Aber bis dahin, höre ich weiterhin "Three white horses", trinke meinen Peach&Naranquilla Tee sowie mein Limettenwasser, lese bis spät in die Nacht, lerne fremde Sprachen, koche mir selbst meine "Fettucine con il pomodoro" und lasse meine Gedanken auf dem Balkon in der Sonne liegen....denn wilde Seelen müssen auch mal ruhen.....

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