Tuesday, 5 August 2014

Das Karussell





Links, rechts, nein, jetzt nach vorn, jetzt anhalten, dreh dich, spring, lauf los, nein, bleib endlich stehen, los, los, los, atme, atme durch, halt dich fest, klammere dich hoch, nein, komm endlich her, bewege dich, sei jetzt wieder ruhig, dreh dich, spring, lauf los, nein, bleib endlich stehen.....

Atme durch. Du bis wieder in diesem Karussell....du fährst wieder Achterbahn. Die Zeit, die Zeit rennt dir einfach davon. Dein Tag sollte 30 Stunden haben, dann würdest du am Ende auch alles schaffen was du zu schaffen willst. Du läufts durch deine Stadt wie ein Irre und denkst die ganze Zeit dabei : wer bist du Stadt, kenn ich dich eigentlich? Was weiß ich denn von dir. Voller Panik siehst du ein, dass du mehr von deiner Stadt erfahren musst, dass du in all diesen Jahren, wo du hier gewohnt hast nicht alle Gelegenheiten ausgenutzt hast. Aber wann soll man denn alles noch machen? Bald bist du ja weg. Klar, du kommst wieder zurück, aber die Zeit fliegt und dann bist du wieder weg, vielleicht für immer....

Deine Atmung wird schneller, du schaust dich um, komplettes Durcheinander, um dich herum, um die anderen herum, in dir hinein....Du versuchst wieder deiner inneren Stimme zu gehorchen, doch vergeblich, die Stimmen von außen sind viel lauter. So laut alles, so viel Lärm, dabei wolltest du doch nur ein bisschen Ruhe haben, stehen bleiben, liegen, Augen zu halten, in einer kompletten Stille verfallen, nichts außer das Nichts hören, schmecken, riechen, tasten, fühlen, lieben. All das wolltest du, nach dem ganzen Sturm und Trubel, doch es gibt keine Zeit dafür. Dir wird es fast schwindelig, du bist mitten drin, du bist erneut im Karussell...

Du läufst der Zeit hinterher, klammerst dich an den Stunden fest, versuchst die Sekunden anzuhalten. Doch das schaffst du nicht, die Zeit ist viel schneller als du. Sie ist wie ein Fuchs. Schleicht sich einfach an dir vorbei. Und du? Du irrst herum, rechts, links, spring, lauf los, nein, bleib endlich stehen. Du hast das Gefühl in allen Richtung gezerrt zu werden und gleichzeitig fühlst du dich wie festgenagelt, deine Beine schwer wie Blei. Am liebsten würdest du laut aufschreien, weinen, nein heulen, sich so richtig aus dem eigenen Gedankengang befreien. Doch sogar das geht nicht. Das Karusell lässt es nicht zu....

Man braucht einen roten Faden im Leben, man braucht ein Gerüst, egal ob aus Holz, Plastik, oder Metall. Man braucht eine Basis. Ja, man braucht diesen roten Faden, wie ein Stück dickes Seil, damit, wenn man wieder in tausend Splitter zerfällt, sich wieder zusammen bauen kann, sich dran fest halten kann, sich da drauf stützen und wieder hochziehen, wieder hoch, wieder nach vorn, wieder....Ganz.....

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