Thursday, 8 January 2015

Über Schmetterlinge und Farben



Jeder von uns durchläuft manchmal eine Phase, in der man ganz kreativ sein möchte und denkt, den verborgenen Künstler, der in einem herrscht, zu finden. Vor 3 Jahren hatte ich plötzlich das Bedürfnis zu malen. Und nicht nur einfach so auf Papier mit einem schwarzen Stift, sondern mit echten Farben auf so einem der Leinwand ähnlichem Material (keine Ahnung wie sich das nennt). Auf jeden Fall habe ich damals schon einiges ausgegeben um voll ausgestattet mit Farben, Pinseln, Gemälde und was weiß ich noch für Zeug meiner Kreativität freien Lauf zu geben. Innerlich denkt man der geborene kleine Picasso zu sein oder eine komplett neue Kunstform und Maltechnik erfinden zu können. Ahje, wenn ich zurück blicke, muss ich einfach nur lächeln. Ich kann mich immer noch ganz gut erinneren, wie ich an meinem Küchentisch saß, gute Loungemusik hörte, mit dem Pinsel in der Hand, als wäre ich bereit ein großes Werk zu vollziehen, mit dem Malstoff vor mir und mit...na ja, mit einem leeren Kopf. Ich hatte alles, nur keine Idee was ich malen könnte. Blumen und Strichmännchen, Sonne und Wasser, komm, musste ich denken, du kannst schon mehr, bist ja keine 5 Jahre alt. Lange saß ich da am Küchentisch, mit dem Pinsel in der Luft und wusste nicht einmal womit ich anfangen soll, was will ich eigentlich denn malen, was selbst erfinden, was abmalen, ahjeee, es kann doch nicht so schwer sein, dachte ich. Nun ja, irgendwann habe ich angefangen, denn mir haben die ganzen Farben, die ich gekauft hab auch leid getan. Aber so schnell wie dieser Eifer kam, so schnell verging mir danach auch die Malereilust. Ich beendete das Werk, räumte den Küchentisch auf und dabei ist es auch geblieben. Die Farben trockneten langsam mit der Zeit, die Pinseln gingen irgendwo verloren. Das Gemälde legte ich damals, irgendwo, wo ich es doch wieder finden kann. Ab und zu kam mir das Gemälde wieder vor den Augen und wollte es immer wieder entsorgen. Was soll ich denn mit diesem Bild. Ist ja gar nichts geworden. Doch jedes Mal dachte ich, ich werfe es das nächste Mal weg...und irgendwann, war auch die ganze Sache vergessen....

Drei Jahre später hole ich meine Laptoptasche aus der Abstellkammer raus und als ich sie öffnete, siehe da, mein Werk. Lange habe ich es anbetrachtet und der Impuls, es dieses mal auch echt weg zu schmeißen hatte ich immer noch. Und trotzdem habe ich es nicht getan. Und habe mich auch entschlossen es nicht mehr zu tun. Egal was es ist, es ist mein Werk, es sind meine unausgesprochenen Gedanken, es ist das vielleicht, was tief in mir herrscht, oder zumindest zu der damaligen Zeit. Würde ich es jetzt aus meiner Sicht betrachten, so würde ich mich in diesen schwarzen Schmetterlingen wiederfinden, ein Schmetterling, der sich durch das chaotische Leben durchkämpft, und die Farben sucht. Und ob der Schmetterling sie auch gefunden hat, das weiß ich noch nicht. Aber er bleibt dran, er fliegt und schwebt, er entfaltet seine Flügel weit und hebt sich hoch, fliegt nach vorn. Kreist auch manchmal irre herum, doch er bleibt in der Luft. 

Ich habe mich entschlossen das Bild zu behalten und diesen Schmetterlingen auf der Suche nach den Farben zu folgen. Immer wieder, immer erneut. Und du, wann hast du zuletzt deinen Schmetterling gesucht?

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