Tuesday, 22 December 2015

Zwischen den Welten



Manchmal bewegst du dich zwischen zwei Welten. Und manchmal verweilst du länger in der einen und möchtest danach gar nicht mehr raus. Gefährlich ist das...und das weißt du ganz genau. Doch entfliehen oder rechtzeitig rauskommen fällt dir öfters schwer. Und warum solltest du das auch eigentlich tun? 

Du kommst nach Hause, aus der Welt "B", zurück in die Welt "A". Alles ist anders und doch gleich, alles ist nicht so wie es sein sollte, oder war das immer so? Nur, dass du es nicht mehr bemerken kannst? Nur weil du nicht mehr genau weißt wie es ist? Dabei warst du nur für paar Tage weg...Wie vieles sich in so kurzer Zeit ändern kann. Orte, Gefühle, du, ja du auch. Es reichen manchmal 72 Stunden damit du aus deiner bis jetzt immer bekannten Welt raus bist. Ein Fremder. 

In Welt "A" herrscht Chaos. Zumindest scheint dir das so. Du öffnest die Tür zu deinem Zimmer und schon verfällst du in deine alten Gewohnheiten. Du siehst dein altes Ich am Schreibtisch sitzen...eher unfähig...für? Ja, wofür denn, fragst du dich...Die Zeit vergeht hier wieder eher langsam, schleppend, ist zäh, wie alter Honig, den du aus dem Glas mit einem Teelöffel rausziehen möchtest...Und du fühlst dich auch nicht anders als diese zähe, sich kaum bewegliche Masse. Du bleibst mitten im Zimmer stehen und musst an die Welt "B" denken....Da wo du das Gefühl hattest, du wärest glücklich  und alles wäre so leicht und unbeschwert. Warst du das auch? Oder bist du nur davon weg gelaufen. 

Auf dem Tisch, ein Stapel voller Blätter und Notizen und To-Do-Listen, die du seit Ewigkeiten erledigen musst. Dein Blick fällt müde auf die Kleider am Wäscheständer, die schon längst trocken sind. Und dann fängst du an wie ein Irrer durch das Zimmer zu laufen, kreist herum, wie ein Tiger im Käfig, wie ein Gefangener in deinem eigenen Ich, in deiner Welt "A", in der eigentlichen Welt. Durchgeschwitzt öffnest du heftig das Fenster, du brauchst dringend Luft, es reicht aber nicht, du machst noch die Tür auf, läufst nach....Wohin? Du fragst dich die ganze Zeit, wohin? 

Jetzt befindest du dich zwischen "A" und "B" und kannst dich auch keinen weiteren Schritt mehr bewegen. Was du spürst ist Angst. Eine unerklärliche Angst. Und auch eine gewisse Müdigkeit, weil du dieses Rennen einfach satt hast. Weil du dich so in diesem Zustand satt hast. Angst haben wir leider alle, Angst vor uns selber. Angst vor dem was wir fühlen. Viel zu viel und viel zu überwältigend. 

Ja, du würdest am liebsten ewig in der Welt "B" vor dich hinleben. Wer würde das denn nicht wollen?  Doch alles was dir übrig bleibt, ist zurück zu kehren, die Tür zu deiner eigenen Welt wieder öffnen, dein altes Zimmer, dein altes Ich zu betreten und anfangen zu sammeln. Ja, jedes einzelne Stück aufsammeln, was von dir verloren gegangen ist. Jedes Teil, was du fallen gelassen hast. Jede Hautpore, die dir einfach weg gerissen wurde, jede Partikel, die du abgeatmet hast, jede Muskelfaser deines Herzens, das auseinander gezogen wurde. Alles aufsammeln, alles behutsam wieder zusammen flicken, und zu dem wieder werden, was du einmal warst, oder was du immer dachtest, dass du sein könntest....Oder einfach zu der Person, die du eigentlich bist...

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