Sunday, 28 February 2016

3 Uhr morgens



3 Uhr morgens, oder auch 3 Uhr in der Nacht. Du bewegst dich in diesem dunklen Raum. Ein leicht rötliches Licht fällt auf unsere müden Gesichtern. Trotzdem sind wir alle in Bewegung und fast alle halten eine Flasche Bier in der Hand. War ja auch das billigste Getränk und wer will ja schon am Ende nur ein Wasser trinken. Nein, man muss sich in der ganzen Atmosphäre ja reinbringen. Und dann der Rauch, ja, dieser Rauch, der in bestimmten Zeitabständen den ganzen Raum durchströmt und dich einfach mitnimmt. Es nimmt uns jeden mit. Als würden einem die Bewegungen viel leichter fallen, viel geschmeidiger, viel offener....denn wer kann schon was sehen durch diesen Rauch. Es sind am Ende nur bewegende Schatten. Unsere Körper versuchen sich dem Rhythmus der Musik anzupassen, oder sich von der Musik mitzunehmen. Ja, da haben wir hier alle was gemeinsames. Wir wollen uns alle in den Klängen und Töne verlieren. Mit geschlossenen Augen lassen wir unsere müden Gliedmaßen tanzen. Jeder trägt in diesem Raum seine Geschichte mit sich rum. Diese ist versteckt in unserem Bier, das wir süchtig eines nach dem anderen austrinken, um was? Vergessen? Verträumen? Erinneren? Entfliehen? Lieben? Hassen? Wissen wir auch nicht so genau. Hauptsache mal kurz weg. Mal kurz für einen Moment aufschnaufen und sich sammeln. Denn ja, wir sind alle so verteilt in diesem Raum, in dieser Welt, in uns selbst....Wieder Rauch. Wieder das rote Licht auf meinem und deinem Gesicht. Wir alle tun so als würden wir uns kennen, als würden wir das gleiche Schicksal teilen. Dabei haben wir keine Ahnung von einander, nicht einmal von uns selbst. Vielleicht lassen wir uns deswegen alle von der Musik in diesem Raum treiben. Suchen Zuflucht. Die Musik wird lauter. Du tanzt mit geschlossenen Augen. Eine Art Bewegung die keiner versteht, keiner verstehen will und keiner auch verstehen muss. Immer lauter. Gehst näher an der Anlage, um die Vibrationen in deinem Körper fühlen zu können. Um zu bemerken, dass in dir drin sich noch was bewegt. Das du noch nicht tot bist. Das Bier ist leer. Du holst dir ein neues. Und all die anderen auch. Wieder Rauch. Wieder das rote Licht. Danach kurz ein helles Licht, wie ein Blitz schießt es in diesem dunklen Raum und für ein paar Sekunden können wir uns alle sehen. Ja, hier bin ich. Ja, hier bist du. Danach Dunkelheit. Mehr wollen wir nicht sehen. Mehr wollen wir nicht wissen. Die Musik kann dir nicht laut genug sein. Du hälst deine Bierflasche fest und machst die Augen wieder zu. Ob wir noch alle atmen? Und dann bewegen wir uns wieder, versuchen dem Rhythmus der Musik zu folgen, versuchen unseren eigenen Rhythmus wieder zu finden um uns danach erschöpft und atemlos fallen zu lassen...

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