Sunday, 29 May 2016

Das kleine Mädchen in dem roten Eimer


Es war ein Samstag und es war auf einem Kunst Markt, irgendwo im Bahnhofsviertel versteckt. Von dem Ort wusste ich bis an dem Tag noch nichts. Es war ein Samstag und die Welt schien in Ordnung zu sein...ich schien auch in Ordnung zu sein. Ich hatte mich über die Ausstellung in der Galerie schon vorher ganz kurz informiert. Irgendwas mit Kuba, irgendwas mit Fotografie. Das eine meine Leidenschaft, das andere irgendwann mal meine Zielreise. Also ging ich hin, neugierig was da so zu finden war...

Es war ein Samstag und die Welt schien in Ordnung zu sein....Ich selbst schien auch in Ordnung zu sein...

Ich betrat die mir bis jetzt noch unbekannte Galerie und ließ mich zeitlich und örtlich einfach mal gute zehn Jahre zurück nach Kuba verzaubern. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Künstler dieser Fotografien stöberte ich in der kleinen Fotobox, wo unterschiedliche Polaroidaufnahmen zu finden waren. Und da war sie plötzlich. Mir blieb für paar Millisekunden der Atem stehen und das Herz fing etwas schneller an zu pochen. Ich hielt sie fest in der Hand. Das kleine Mädchen in dem roten Eimer....Ich flog nicht nur zehn Jahre zurück nach Kuba sondern fast das doppelte zurück in meiner Kindheit...zurück in meiner Vergangenheit. Ich kann mich nicht erinnern selbst mal in einem Eimer gebadet zu haben, aber es war etwas an dieser Fotografie, es war etwas an diesem sorgenlosen Mädchen mit dem leichten Lächeln im Gesicht, was mich gerade fest hielt, meinen Körper fast zum Zittern brachte und meine Erinnerungen an einer schon lang vergangenen Zeit wieder rausholte....Ich könnte nicht sagen an was genau mich diese Fotografie erinnerte, doch je länger ich das kleine Mädchen im Eimer betrachtete, merkte ich, wie sehr ich mich danach sehnte, an diese Sorglosigkeit, an all die freien Gefühle, an all die gedankenlosen Gedanken...an die ständige Musik in mir...

Ich kaufte die Fotografie, bedankte mich an den Künstler und ließ mich dann in die Stadt von der Menge treiben. Ich glaube, dass es im Leben von uns allen irgend einen Punkt gibt, der uns fern oder auch nah in unsere Vergangenheit katapultiert, der uns an etwas erinnert was einmal war oder was wir gerne wieder haben möchten. So viel man immer meint, man sollte immer in der Gegenwart leben und die Vergangenheit ruhen lassen, in meinem Falle ist das ziemlich schwer, da ich oft daran erinnert werde. Oder vielleicht lasse ich es zu daran erinnert zu werden. Ob man aber will oder nicht, man wird immer wieder von der Vergangenheit plötzlich an die Hand gepackt und paar Schritte oder sogar paar große Sprünge zurück gezogen. Es sind diese kleinen Begegnungen mit deinen Erinnerungen, die einen das ganze Leben begleiten werden, Erinnerungen an Orte oder an Menschen die man geliebt hat oder immer noch liebt, Erinnerungen an einem selber, so wie man war oder sogar wieder sein möchte...

Es war ein Samstag und die Welt schien in Ordnung zu sein. Ich dachte, ich wäre das auch....

Fotografie

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