Saturday, 4 June 2016

Am Bahnhof



Bahnhof: warten, laufen, den Zug nicht verpassen, schwere Koffer tragen, sich paar Brezel holen, Kaffee um 3 Uhr morgens, eine flüchtige Umarmung, Geschrei, eine Schlägerei, auf die Uhr gucken, warten, warten, warten, hoffen, hoffen, hoffen, eine Zeitung lesen, im Bücherladen stöbern, windig, auf einer Bank sitzen, Fremde die aneinander vorbei laufen, Freunde die sich wieder finden, Freundschaften die auseinander gehen, ein Kuss auf die Stirn, Ferne, Reisen, Musik hören, warten, warten, warten, hoffen, hoffen, hoffen, laufen, stolpern, Taschen mit sich tragen, Taschen die kaputt gehen, Taschen und Koffern voller Hoffnung? Liebe? Hass? Wut? Trauer? Gedankenlos? Leer? Voll mit deinem ganzen Kram.....mit deinem Lebenskram. Einpacken, auspacken. Händedruck. Drogen. Zigarettenreste. Ein Obdachloser eingewickelt in Zeitungspapier. Heroin. Du. Ich. Kennen wir uns? Züge. Ansagen. Verspätungen. Schlechtes Timing der Bahn, der Ankunft, der Abfahrt, schlechtes Timing des Du mit dir selber, des Du mit den anderen um dich herum. Feuchte Lippen und heiße Schokolade. Sehnsucht. Menschen, die laufen, Menschen, die stehen bleiben, Menschen, die weg ziehen und oder ankommen. Menschen zu Hause und Menschen in einer fremden Stadt. Menschen, die im Zug einsteigen und unsichtbar werden. Schnell, eine letzte Umarmung. Schnell noch ein letzter Kuss. Schnell noch ein letztes Mal in die Augen blicken. Danach der Pfiff und die Abfahrt. Im Koffer, in deinem Koffer, die Erinnerung an einer Zeit, die nie statt gefunden hat....Auf dem Nachbargleis der Pfiff und die Einfahrt. Der erste Blick. Langsam eine neue Umarmung. Langsam ein neuer Kuss. Langsam zum ersten Mal in die Augen blicken. Pfiff! Endstation. Gleis 5 alle steigen aus. Lichter gehen aus. Wiedersehen! Freude. Gelächter. Tränen. Endlich bist du wieder da. Endlich sind wir alle da. Parallel die ständige Frage ob man vielleicht 50 Cent hat? Bierdosen in einer Ecke. Uringestank in der anderen. Weiter laufen. Menschen, die alle in Bewegung sind. Dynamik. Auf Gleis 2 ein einsamer Mensch. Kennst du schon den neuen Café Latté? Blind dates, Aufregung, Treffen vor dem Starbucks. Nachts um 1 Uhr in der Bar Gleis 25. Zigaretten, Bier und Juke Box. Oldies und gute Herzensmusik. Verpasse deinen Zug nicht. Weißt du schon wohin? Steigst du ein oder steigst du aus? Wohin, wohin, wohin? 
Bahnhof, ein Ort der Entscheidungen und des Wartens. Ein Ort des Elends und der ewigen Freude. Ein Ort wo wir alle ein- und aussteigen. Rein ins Leben....raus aus dem Leben. Alleine oder zusammen.

Ich stand am Bahnhof und blätterte in einer Zeitung, so wie alle. Ich schlürfte aus meinem Kaffee. So wie alle. Ich blickte auf die Uhr. So wie alle. Warten, warten, warten. Hoffen, hoffen, hoffen. So wie alle. Ich habe meine Koffer gepackt....schwere Koffer, die ich eines nach dem anderen aus dem Fenster rauswerfen werde! 

Bahnhof: Züge fahren ein, bleiben stehen und fahren wieder aus. Ich steige dieses Mal ein und werfe. Einen Koffer nach dem anderen. Ein Gefühl nach dem anderen. Solange bis der Zug wieder einfährt....solange ich keine Koffer mehr mit mir rumschleppe. Solange ich wieder leer und ein weißes Blatt Papier bin. Solange....ich dann wieder einpacken muss....

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