Sunday, 1 January 2017

Zwischen den Jahren


Es ist frostig draußen. Die Sonnenstrahlen lassen dich glauben, dass es heute ein schöner, warmer Wintertag ist. Schön ist er, doch warm auf keinen Fall. Ich warte auf dem Bahngleis, dass endlich mein Zug kommt und mich Richtung warmes zu Hause bringt. Endlich mal paar Tage frei. Endlich wieder aufschnaufen, endlich wieder ausschlafen, endlich keinen Wecker stellen und endlich mal liegen bleiben. Und da kommt er, der Zug, steige ein und setze mich ans Fenster. Die Sonne blendet mein Gesicht, sodass ich die Augen zu halten muss. Es fühlt sich aber gut an. Am liebsten würde ich jetzt doch weiter fahren. Fernweh packt mich manchmal so unerwartet. Es ist als würde sich mein Herz nach was Neuem und noch Unentdecktes sehnen. Als hungere es manchmal hier in dieser Stadt. Ich horche dem Rattern der Bahn, lasse die Strahlen auf mein Gesicht fallen und mir wird plötzlich bewusst, dass bald ein neues Jahr beginnt. Das alte Jahr kommt müde zu Ende und ich.....ich denke an 2016. Ah du schreckliches, schönes, trauriges, wunderbares Jahr. Was du nur alles mit mir angestellt und umgestellt hast. Wie du mich in tausend Scherben gebrochen hast und mich danach wieder zusammen genäht hast. Was du mir so alles beigebracht hast und all deine Ohrfeigen, die ich ertragen musste. Und gleichzeitig hast du mich in deine Arme genommen, mir sanft durch die Haare gestreichelt und wie ein kleines Kind fest gehalten bis ich einschlief. Ah du 2016, ich erinnere mich noch an deinem Beginn, an deiner großen Nacht, meinen ersten Knaller damals, den ich in die Luft geschossen hab samt meiner Wünsche, Ziele, Hoffnungen und Träume. Du gabst mir die Chance die Sterne in der Sahara zu sehen. Danke! Du hast mir beigebracht geduldig zu sein. Danke! Du hast mich aus meinen Fehlern lernen lassen. Danke! Du hast mir den Rücken zugedreht, wenn ich dich am meisten gebraucht habe. Auch dafür danke ich dir.  Du hast mir gezeigt, wie es ist, sich selbst lieb zu haben. Auch wenn du dir dafür dein ganzes Jahr Zeit genommen hast. Danke!

Ich sitze in diesem Zug, der Zug zwischen den Jahren, und lass mich treiben. Ich blicke zurück, doch zurück bleiben nur die Erinnerungen, immer weiter weg, die sich selbst einpacken und sich selbst irgendwo ganz hinten hochstapeln. Der Zug hält langsam an, ich mache die Augen auf, steige aus und atme einmal tief ein, atme dich auf, neues Jahr 2017, lass dich sanft meine Haarsträhnen aus dem Gesicht streicheln. Keine Vorsätze, wie "ab 2017 wird alles anders". Nichts davon. Und das stört mich alles nicht. Ich trete auf und du tretest mit mir. Auf ein neues, auf ein neues Ich und ein neues Du...

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